so far so sunshine

8.03.2010 -

o nein ich habe zu lange zu oft in dieser kneipe gearbeitet mich in drei stammgäste verliebt und noch mehr sich auch in mich und mein liebster arbeitet ja auch dort! der eine der mich am meisten beschäftigt o ja er ist ja so unglaublich lieb. er wirkt als wäre er in meinem alter aber er ist fast zehn jahre älter als ich also die perfekte mischung und er ist schauspieler! meine tote oma sagt mir immer nimm dich in acht vor schauspielern mein mädchen denn sie sind schauspieler das musst du dir immer vor augen halten. aber ist jeder schauspieler so unglaublich lieb und so gutaussehend und intelligent und ach er ist ja so durchgedreht genau wie ich und findet mich ausserdem auch süss - wenn ich an ihn denke schmelze ich dahin wie schokolade in der sonne und kann nicht aufhören an ihn zu denken wenn mir doch mal was anderes einfällt erinnert mich gleich wieder etwas an ihn. oma was soll ich jetzt machen ich meine ich bin in festen händen und so ein seitensprung ist moralisch unvertretbar für mich oma was hättest du jetzt getan? ach nie hättest du dich in einen schauspieler verliebt aber oma der spielt doch nicht alles und immer schauspieler müssen das doch trennen können oder denkst du er hat ein stück für sein eigenes leben geschrieben? und mich kurz darin eingebaut? nein nein nein. weisst du ich habe ihm eine cd geschenkt weil er so begeistert davon war und er hat sich so gefreut und er hat mich eingeladen ins theater damit ich mir ein stück von ihm ansehe aber ich muss mich hüten nur eine minute lang mit ihm allein zu sein denn wir ziehen uns an wie zwei magnete... fatal würde das enden und doch wär es doch zu schön so schön dass es unwiderstehlich ist eigentlich. aber oma mein gewissen würde mich umbringen würde ich das tun! ich belass es vorerst bei dieser unschuldigen verliebtheit so schuldig sie auch ist und wage nicht mal im traum ihn zu berühren sosehr ich mich doch danach sehne weil er so unglaublich toll ist.
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27.02.2010 - rauschende flussnächte

eine schöne melancholie legt sich über die letzten tage. eine stimme sagt mir, dass ich viele dummheiten gemacht habe, doch ich habe ein gutes gefühl. die verschwommenen nächte haben einen bunten schleier hinterlassen, der fortwährend durch meine gedanken schwebt. o ja, und ich habe es so vermisst, das gefühl, etwas erlebt zu haben, auch wenn ich mich an kaum was erinnern kann. es sind erlebnisse, die nur mir gehören, denn es war niemand dabei von den menschen, die mich kennen. die freiheit, zu tun was man will, ohne auf jemanden rücksicht zu nehmen. wie schön ist das denn! << du sitzt in der wohnung deines freundes und siehst ihm zu, wie seine aufmerksamkeit im stundentakt gerecht zwischen fernseher und computer pendelt. du kochst was zu essen und er hat keinen hunger. du isst auch nichts, gehst mit dem hund spazieren und als du wieder kommst, ist alles aufgegessen. du fragst deinen schatz irgendwas, aber er scheint dich nicht zu hören. du musst ihn erst anschreien, bevor du wissen darfst, ob er noch wäsche zu waschen hat. vor lauter frust gehst du abends raus und besäufst dich mit deinen kollegen in der bar, in der du sonst arbeitest. irgendwann beschliesst du doch, wieder nach hause zu gehen. aber am heimweg liegt so verlockend eine deiner lieblingskneipen, deren schummriges licht einladend nach draussen scheint. schon sehr betrunken lernst du nette leute kennen, obwohl zwei drittel davon idioten sind. doch herr künstler und herr schriftsteller sind doch ganz in ordnung. irgendwann merkst du, dass deine gehirnfunktionen nachlassen und gehst glücklich nach hause. glücklich, dass du an nichts mehr denken musst, das dich nervt, weil du nicht mehr denken kannst. am nächsten morgen kannst du dich an kaum was erinnern, ausser dass es lustig war. << du stehst den ganzen abend hinter der bar und musst dich mit menschen rumstreiten, die zwar nie genug alkohol bekommen können, diesen aber - wenn du ihnen die rechnung präsentierst - doch nicht getrunken haben wollen. je später die stunde, umso größer das bedürfnis, selbst einen barkeeper zu nerven. wenn du endlich die pforten deiner kneipe geschlossen hast, gehst du also selber noch einen trinken - anstatt deinem freund beim schlafen zuzusehen. aber ist man jung, gut gelaunt und gutaussehend obendrein, bleibt es nie bei einem. nein, nein, dein kollege an der bar gibt dir noch einen aus. und noch einen. und der spaß wird immer größer, die vernunft immer kleiner und dann sitzt du da, mit einigen gleichgesinnten, wobei zwei drittel davon idioten sind. mit den übrigen, die das auch bemerkt haben, ziehst du in die nächste bar. und dann wachst du auf, in einem fremden bett, die sonne scheint durch die vorhänge, und ein schwein starrt dich von der wand her an. du fragst dich, wie um alles in der welt du hier hin gekommen bist. du siehst dich um, langsam werden erinnerungen wach. ein schaukelpferd, mit dem du durch die wohnung geritten bist. leere rotweingläser und eine cd und tausend schweine an der wand. du stellst fest, dass du wohl nicht mit dem herrn schriftsteller mitgegangen bist, der sich am ende auch als idiot entpuppt hat, sondern mit dem einzigen, der ausser dir übrig geblieben war - der herr künstler - ich befand mich offensichtlich in seinem atelier. loft würde es besser treffen. ich suchte meine sachen zusammen - gott war diese wohnung groß - stürmte auf der suche nach dem ausgang in das schlafzimmer eines fremden mädchens, das mich verwirrt und schlaftrunken ansah, entschuldigte mich, fand den ausgang und trat hinaus in einen sonnendurchfluteten innenhof. nachdem ich mich orientiert hatte und mir eine route nach hause zurechtgelegt hatte, fragte ich mich, ob herr künstler meinen alkoholspiegel ausgenutzt hatte. das tun sie nämlich gern, männer aller art, größe, herkunft - sie begrapschen betrunkene mädchen. frau kann sich nicht mal rächen, denn wenn frau betrunkene männer begraptscht, freuen sie sich darüber. sollte herr künstler zu den 0,1% seines geschlechts gehören, die ein bisschen würde, anstand und respekt in sich tragen, würde mich das sehr wundern. also ärgere ich mich über mich selbst und über rotwein und schmiede rachepläne. die schweine werdens dir vergelten, herr künstler! und das schaukelpferd! << ich trete in das zimmer meines freunds, der im bett liegt und mich mit einem auge böse ansieht. ich habe keine ahnung, wie spät es ist, doch sein auge verrät mir, dass es zu spät ist. er muss stundenlang auf mich gewartet haben. immerhin hat mein dienst vor ungefähr 8 stunden aufgehört. noch immer ganz dizzy von dem ganzen rotwein lege ich mich neben ihn und lasse mich sanft von vorwürfen berieseln. beschliesse dann aber, das nicht so auf mir sitzen zu lassen, und erkläre ihm, dass ich von der annahme ausgegangen war, dass ihm nicht mal auffallen wird, dass ich weg bin, da ich in letzter zeit sowieso nur luft für ihn gewesen war. er liess mich wissen, dass er solche protestaktionen nicht zu akzeptieren gewillt war und dass er die ganze altstadt nach mir abgesucht hatte. dann entschuldigten wir uns beide. so langweilig mein schatz auch sein mag, so unglaublich toll ist er einfach. ausser ihm kenne ich keinen mann, der es einfach so auf sich sitzen lassen würde, dass er mir nichts verbieten kann. so bin ich aber leider, und er ist der einzige auf der welt, der dafür verständnis hat. im nachhinein stellte sich ausserdem heraus, dass er nicht sehr ehrgeizig nach mir gesucht hatte, sondern in wahrheit selbst noch einen trinken war.
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